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Anrüchig oder "Die sparsame Schwäbin"

Anrüchig und unter der Gürtellinie

Wer in Stuttgart mal muss, der braucht 30 Cent - aber passend. So stand es am Samstag, den 20.8.05 im Teckboten und räumt mit dem Vorurteil auf, dass das Leben die skurrilsten Geschichten schreibt. Die skurrilsten Geschichten schreibt nämlich nicht das Leben, sondern die Amtsordnung! Deshalb fahre ich nur noch mit einem Buch nach Stuttgart.
Zum Frühstück trinke ich immer eine Kanne Tee. Das ist gut für die Nieren, hat der Doktor gesagt. Nach einer Stunde hat der Tee seine Pflicht erfüllt, die Nieren durchspült und will naus. Eigentlich eine ganz normale Sache. Aber mein Tee stottert. Er kommt nicht auf einmal, sondern im Zwanzigminutentakt. Daheim richte ich mir meine Arbeit danach ein. Ich putze je ein Zimmer zwischen den Spülgängen. Wenn ich um diese Zeit nach Stuttgart neifahr’, erledige ich meine Besorgungen immer zwischen den öffentlichen Bedürfnisanstalten. So auch am Freitag.
Da es pressierte, war nach meiner Ankunft der erste Gang auf die gerade renovierte Öffentliche. Nach Geldeinwurf soll sich dort das Drehkreuz freischalten und ich kann alle leeren Toiletten benutzen. Münzen habe ich zwar immer im Geldbeutel, leider selten die passenden. Also warf ich einen Euro in den Automaten und... es passierte nichts. Kein Wechselgeld ratterte da irgendwo in eine Öffnung im Mittelpfahl, obwohl genug Platz da war. Erst glaubte ich an einen Fehler, da fiel mein Blick auf die neue Gebührenordnung. Einmal Wasser lassen kostet jetzt dreissig Cent. Der Automat nimmt auch fünfzig Cent und sogar Eineuromünzen an. Und jetzt kommt’s: Es gibt kein Wechselgeld zurück! Und das bei uns im Schwabenländle, wo jeder Pfennig zweimal umgedreht wird und der Cent erst recht! Unter der Gebührenordnung steht ganz gross, quasi als Aufforderung: Abfallwirtschaft Stuttgart Tel. 216-4069.
Ja, meinen die denn, dass ich auch noch Geld fürs Telefonieren ausgebe und womöglich in der teuren Endlos-Warteschlange lande? Ich möchte mich erleichtern, nicht den Stuttgarter Haushalt sanieren. Was tun? Wir Schwaben sind nicht nur sparsam, wir sind auch clever und erfinderisch. Wenn ich schon einen Euro bezahle, will ich ebbes für mein Geld bekommen. Werfe ich fünfzig Cent ein, sitze ich zwanzig Minuten ab. Werfe ich einen Euro ein, kann ich dort vierzig oder gar sechzig Minuten hocken. So kommt es, dass ich nie mehr ohne ein spannendes Buch nach Stuttgart fahre. Die nächste Sitzung kommt bestimmt.

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